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»Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich lange bleibe.«

Gerhard Wilhelm ist so lange in unserem Unternehmen tätig wie kein anderer. Ein Gespräch mit dem dienstältesten Mitarbeiter.

Gerhard, wie lange arbeitest du schon im Unternehmen?
1976 habe ich zwei Wochen ein Praktikum während meines Urlaubs in der Wehrdienstzeit gemacht. Eigentlich wollte ich Informatik studieren, habe mich jedoch für eine Ausbildung zum EDV-Kaufmann entschieden, die am 1. August 1977 begann. Ich bin jetzt 44 Jahre hier.

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Arbeitstag?
Es gab einen Rundgang – auch durch das Rechenzentrum. Das war bei Weitem noch nicht so groß war wie heute. Aber eine ganz eigene Welt. Der Maschinensaal war sehr beeindruckend. Da liefen alle Kollegen im weißen Kittel herum und mit Krawatte. Es war ein richtig abgeschlossener Raum, ein Hochsicherheitstrakt, nur mit speziellem Ausweis zugänglich. Die Begriffe, die Ausstattung: Alles war sehr stark IBM-geprägt. Es war eine große Umstellung für mich. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass ich lange bleibe.

Was hat sich seit damals verändert?
Es hat sich viel verändert. Damals hat sich keiner angemaßt, einen Bereichsleiter zu duzen. Und einen Vorstand schon gar nicht. Da gibt es jetzt einen Kulturwandel. Digitalisierte Übergabe- oder Freigabeprozesse gab es nicht. Früher hat einfach jemand angeklopft und gesagt: „Ich bring jetzt einen Stapel Lochkarten mit unterschriebenem Begleitzettel vorbei“. Als Datenspeicher kamen nur Bänder, Lochkarten und magnetische Trommelspeicher zum Einsatz. Mobile Festplatten oder USB-Sticks gab es noch nicht. Onlinesysteme für unsere Kunden waren noch nicht entwickelt, somit waren auch keine Firewalls notwendig. Wenn Daten, in Form von Bändern, Lochkarten oder Listen verloren gingen, geschah dies meistens auf den Transportwegen mit Kurierfahrzeugen. Heute verfügen wir über vielfältige digitale Systeme zur externen und internen Kommunikation. Ich finde es aber wichtig, auch mal zu jemandem hinzugehen oder wenigstens zu telefonieren. Natürlich nutze auch ich bei meiner täglichen Arbeit intensiv die neuen Kommunikationswege.

Gibt es Werte, für die das Unternehmen steht?
Vom ersten Tag an habe ich gemerkt: Die Banken haben großes Vertrauen in die Firma. Das Unternehmen war auch immer ein fairer und seriöser Arbeitgeber mit gutem Betriebsklima.

Wenn du nicht mehr dort arbeitest, was wünschst du dem Unternehmen für die Zukunft?
So viele Global Player kommen jetzt, die auch Bankensysteme auf den Markt werfen werden. Insbesondere die großen Player werden uns – wenn man nicht aufpasst – das Leben schwer machen. Sich dagegen zu stemmen, bringt nichts. Es wäre gut, wenn sich Atruvia da positionieren kann. Ich bin überzeugt, dass die Mitarbeiter*innen Ideen haben, wie wir uns in der Globalisierung behaupten können. Ich wünsche mir, dass die Digitalisierung auch bei älteren Menschen ankommt, dass sie mitgenommen werden. Denn sie sind mit der Technik nicht aufgewachsen. Und ich wünsche mir, dass gute Leute auch zu uns kommen, dass sie uns nicht wegrennen. Wir müssen attraktiv bleiben. Gute Mitarbeiter sind neugierig und möchten interessante, spannende Aufgaben mit entsprechendem Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Eigene Ziele definieren, auch um Neues auszuprobieren, muss möglich sein.

Wertschätzung und Anerkennung – auch finanziell – durch Führungskräfte und Kollegen sind sehr wichtig. Meistens kommt es zur Fluktuation durch Routinetätigkeiten, Eintönigkeit, Überlastung durch fehlenden personellen Backup und ausbleibende Anerkennung. Führungskräfte sollten mehr Zeit für alle Mitarbeiter haben. Bei all dem dürfen wir die Umsetzung der Anforderungen unserer Kunden selbstverständlich nie aus den Augen verlieren. Atruvia muss sich mit guten Mitarbeitern für die Zukunft gut aufstellen. Aber gegen den Strom der großen Player schwimmen, das würde ich niemandem empfehlen. Das ist ein unnötiger Kraftaufwand. Man muss schauen, dass man Partner ist und kein Konkurrent.