Ein Pilot läuft gut. Der Business Case überzeugt. Die Investition wird genehmigt. Und ein Jahr später ist trotzdem unklar, was das KI-Projekt konkret gebracht hat — nicht in Zahlen, nicht in der GuV.
Das ist kein Versagen der Technologie. Es ist eine Führungs- und Steuerungsfrage. Und sie stellt sich in den Banken gerade überall und immer wieder.
Wo entsteht die Lücke zwischen Business Case und Wirkung?
Roland Reckert begleitet Banken der Genossenschaftlichen FinanzGruppe bei der Verankerung von KI-Initiativen. Er kennt das Muster aus Gesprächen mit Vorstandsmitgliedern und Leiter*innen von Fachbereichen.
Atruvia: Roland, was ist das häufigste Muster, wenn ein Projekt trotz genehmigtem Business Case nicht in der GuV landet?
Roland Reckert: Meistens liegt es nicht an der Technologie und auch nicht am Business Case selbst. Es liegt daran, dass nach der Genehmigung die Energie nachlässt. Das Projekt hat seine Aufmerksamkeit gehabt. Der Vorstand hat zugestimmt. Und dann übernimmt der Alltag und mit ihm die alten Prioritäten.
Der Kern des Problems: Ein Business Case ist eine Prognose und kein Ergebnis. Er beschreibt, was eintreten könnte, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Aber er stellt diese Voraussetzungen nicht her. Er misst nicht. Und er benennt niemanden, der am Ende des Jahres für die Ergebnisse verantwortlich ist.
Wer das nicht von Anfang an mitdenkt, genehmigt statt eines Vorhabens nur ein ein Dokument.
Woran erkennt man den Unterschied bevor es zu spät ist?
Atruvia: Woran erkennst du in einem ersten Gespräch, ob eine Bank bereits auf Wirkung baut oder noch auf Genehmigung?
Roland Reckert: Man merkt es meistens daran, worüber gesprochen wird. Wenn die Energie im Raum bei Technologie, Use Cases und Funktionen liegt, dann ist die Bank im ShowCase-Modus. Wenn jemand fragt, wie wir das in 12 Monaten oder zwei Jahren auf der Kosten- oder Ertragslinie sehen, dann denkt die Bank schon in Richtung ValueCase.
Es gibt einen praktischen Test: Wer in einem KI-Projekt benennen kann, welche konkrete Kennzahl sich bis wann um wie viel verändern soll, und wer dafür verantwortlich ist, baut auf Wirkung. Wer das nicht kann, baut auf Hoffnung. Der Unterschied zwischen beiden ist nicht Technologie. Es ist Klarheit.
Was Vorständinnen und Vorstände jetzt konkret tun können
Drei Fragen helfen dabei, ein laufendes oder geplantes KI-Projekt auf Wirkung auszurichten:
Ist definiert, welche Kennzahl sich verändert und gegenüber welcher Baseline?
Gibt es eine Person in der Führungsebene, die persönlich für das Ergebnis verantwortlich ist?
Wird der Fortschritt aktiv gemessen oder gilt das Projekt mit der Genehmigung als erledigt?
Atruvia: Was rätst du einem Vorstand/einer Vorständin, der/die heute ein KI-Projekt startet und in zwölf Monaten eine konkrete Zahl nennen können will?
Roland Reckert: Meine wichtigste Empfehlung: Verknüpfe die Projektfreigabe mit einer Ergebnisverpflichtung. Nicht als Drohung, sondern als Klarheit. Wer ein KI-Projekt startet, sollte wissen, wer am Ende des Jahres in welchem Meeting mit welcher Zahl erscheint. Diese Frage stellen die wenigsten.
Was am Ende zählt: Strukturiertes Vorgehen mit klaren Zielen
KI verändert die Arbeit in den Banken und auch die Ergebnisse. Das gelingt aber nur dort, wo jemand die Verantwortung für die letzte Meile übernimmt. Vom genehmigten Business Case zur sichtbaren GuV-Wirkung ist kein automatischer Schritt. Es ist eine Entscheidung.
Atruvia begleitet Genossenschaftsbanken dabei, diese Entscheidung strukturiert zu treffen mit dem Wissen aus Projekten in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe
Roland Reckert ist Tribe Lead für Security, Identity and Analytics bei Atruvia. Er arbeitet im Bereich Client Projects and Consulting und berät Banken mit seinem Team bei der Einführung neuer Tools und Produkte. Sein Fokus liegt aktuell auf KI und wie diese die Effizienz in Banken nachhaltig steigern kann.
Häufig gestellte Fragen
Warum reicht ein genehmigter Business Case nicht?Weil Genehmigung keine Umsetzung ist. Ein Business Case beschreibt ein mögliches Ergebnis — er stellt es nicht her. Ohne klare Verantwortlichkeit und aktives Tracking bleibt der Effekt aus.
Was ist der erste Schritt für einen Vorstand, der KI-Wirkung sicherstellen will?Vor Projektstart drei Dinge festlegen: welche Kennzahl sich verändert, gegenüber welcher Baseline — und wer dafür am Ende verantwortlich ist.
Wie unterstützt Atruvia dabei? Atruvia begleitet Volksbanken und Raiffeisenbanken von der ersten KI-Initiative bis zur messbaren GuV-Wirkung — mit Erfahrung aus der Genossenschaftlichen FinanzGruppe und einem strukturierten Ansatz von Show-Case bis Value Case.